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Mittwoch, 19. August 2015

Rezension: Solange die Nachtigall singt



Solange die Nachtigall singt von Antonia Michaelis


Leseempfehlung für: Jugendbuchleser, die gerne Märchen lesen. Die richtigen, alten tiefgründigen Märchen. Die komplex sind, märchenhaft erzählt, magisch, düster und wo nichts ist wie es scheint und Gut und Böse, Richtig und Falsch immer im Auge des Betrachters liegen.
Für Leser ab: 18 Jahre








Das Cover

Das Cover ist für mich ein „typisches“ Antonia Michaelis Cover und gefällt mir ausgesprochen gut. Es erweckt sofort eine finstere und bedrohliche Stimmung und das ist auch genau, was man bekommt. Außerdem hat es mich voll angesprochen und unheimlich neugierig auf die Geschichte gemacht, was ja durchaus der Sinn und Zweck eines Covers ist. Also für mich wieder mal eine tolle Gestaltung eines Buchs, dass es absolut verdient hat, auf diese Art in Szene gesetzt zu werden.




Kurze Inhaltsbeschreibung

Der achtzehnjährige Jari unternimmt eine Wanderung. Der Tischlerlehrling ist auf der Suche, wonach weiß er vermutlich selbst gar nicht so genau. Sein Leben ist geprägt von Zwängen und idyllischer Kleinkariertheit. Er vermisst die Freiheit, die Luft zum Atmen, die großen Abenteuer und ein Stück weit sich selbst und so ist es vielleicht die Suche nach Jari, die ihn aufbrechen lässt. Allein. Denn selbst seinen besten Freund Matti mit seinem Bier und den Weisheiten in Sachen Frauen lässt er im Heimatort zurück.
Auf dem Weg in den Wald begegnet er Jascha und wird Zeuge einer Verwandlung, die erst der Anfang in eine faszinierende Welt aus Trug und Lug, aus Schatten und Licht, aus Schein und Sein ist. Er begleitet Jascha in den Wald und ein Stück weit in ihre Welt und bald schon ist sich Jari nicht sicher, ob er immer noch auf der Suche ist, oder sich längst in Jaschas Welt verliert. Doch dieser Wald, das was dort in der Finsternis verborgen liegt und ihm immer wieder entgleitet, ist nicht nur ein faszinierendes Spiel und ein jugendlich, unschuldiges Abenteuer. Es ist gefährlich. Tödlich.



Schreibstil und Storyverlauf

Antonia Michaelis’ Bücher sind Geschmacksfrage. Das kann ich nach Buch zwei nun mit Sicherheit behaupten und liege bestimmt nicht falsch. Nicht jeder wird mögen, was sie schreibt, wie sie schreibt und wie sie es schafft auf dieser dünnen Grenze zwischen Wirklichkeit und Realität, zwischen Märchen und Wahrheit zu wandeln. Weder im Licht, noch im Schatten. Irgendwo dazwischen. Im Zwielicht, da wo die Welt tiefgründiger ist, da wo nichts einfach schwarz oder einfach weiß ist. Da wo es noch kompliziert ist, alles zwei Seiten hat, nichts bloß gut oder böse, nichts einfach richtig oder falsch. Da wo Figuren so komplex und so facettenreich sind das man sich als Leser fasziniert, abgestoßen, überfordert und mitten im Herzen berührt fühlt, weil es einen da rührt, wo wir es gar nicht mehr gewohnt sind, bewegen sich die meisten anderen Jugendbücher doch gerne außerhalb dieser Zone im Licht, wo es so viel einfacher ist zu strahlen und Menschen zu begeistern.
Einfach ausgedrückt: Antonia Michaelis’ Bücher sind anders. Sie sind etwas ganz Besonderes. Keine leichte Lektüre nur darauf aus zu unterhalten und daher alles andere als ‚mal eben’ gelesen. Mich konnte diese Geschichte sofort, schon auf der ersten Seite in ihren düsteren Bann ziehen. Die Spannung, das Aufreiben, das Mitfühlen, die Zweifel, die Frage wo es endet, das erschreckende Vorausahnen, das Entsetzen kurz vor der Erkenntnis, das aufrüttelnde, emotionale Finale und der bittersüße Abschied. Für mich war es kein „Märchenerzähler“ Abklatsch, aber es war auf dem gleichen Niveau und genauso gut. Für mich ist diese Autorin ein wahrer Schatz, in einer Nische, in der sie hoffentlich bleibt. Wir brauchen solche Bücher. Also bitte, bitte: Mehr davon.




Die Charaktere und ihre Entwicklung

Wie erwähnt bekommen wir es hier im Buch nicht mit den normalen Buchfiguren zu tun, die wir so oder so ähnlich schon in tausend Büchern gelesen haben. Jari und Jascha, um bei den Hauptdiguren zu bleiben, sind alles andere als einfach. In der Tat haben sie so viele Schwächen, Komplexe und machen so viele Fehler, dass sie zwischendurch unsympathisch sind. Weil wir es gewohnt sind die Protas zu lesen, die gut sind, die alles richtig machen, die Helden, zu denen wir aufsehen können.
Die beiden und auch Jaschas Schwestern Jolanda und Joanna (meine Lieblingsfigur im Übrigen, wenn man das so sagen kann) sind alles andere als das. Aber auf ihre Art, wenn man da hintersieht, kann man nicht umhin den Mut, die Verzweiflung, die Liebe und die Menschlichkeit in ihren Handlungen zu sehen. Denn das sind sie, menschlich. Jung, einsam und auf der Suche. Irgendwo da im Zwielicht in einer ganz anderen Welt. Eine, in die keiner will und doch kann man es sich manchmal nicht aussuchen.

Ich habe jede der im Buch vorkommenden Figuren wahnsinnig stark geliebt und um jeden Verlust geweint und überhaupt habe ich geweint, weil diese Geschichte so verdammt berührend ist. Abstrus, märchenhaft, bizarr, düster, anders und dennoch einfach nur berührend. Mehr kann ich gar nicht schreiben. LEST es einfach selbst. Ja, bitte lest es einfach. Am besten gleich jetzt.



Fazit

Mein einziges Fazit, denn ihr müsst hier einfach die ganze Rezension lesen, oder es lassen und euch gleich das Buch kaufen und das lesen, ist: Gelesen und Geliebt. Danke für diese wundervollen Lesestunden. Für dieses Buch und bitte: Mehr davon.   

1 Kommentar:

  1. Wow, was für eine schöne Rezension von dir! Selbst die berührt mich schon. Ich freue mich wie ein Wolf auf dieses Buch, wenn du es so prima absegnest.

    Siehst du, Märchenerzähler hab ich dir empfohlen. Und du empfiehlst mir jetzt eben das. Ganz Ganz weit oben auf meiner Leseliste. Danke ♥

    liebesschuhuuu
    buchkauz

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