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Mittwoch, 1. April 2015

Rezension: Vor uns die Nacht




Vor uns die Nacht von Bettina Belitz


Leseempfehlung für: Ab: 17 






Das Cover

Das Cover zu Vor uns die Nacht ist wie auch die Innenausstattung einfach nur bezaubernd, sehr edel und wunderschön. Mir gefallen die Farbgebung, die Harmonie der Farben und das Motiv. Auch der Titel ist stilvoll, ungewöhnlich und doch einprägsam. Rundherum ein wundervolles Marketingkonzept und eine tolle grafische Umsetzung.



Kurze Inhaltsbeschreibung

Ronia ist Archäologiestudentin und kommt aus einem behüteten Elternhaus. Ihr Vater ist Pfarrer und ihre Familie lebt den Glauben auch im Alltag intensiv aus. Ronia ist damit groß geworden, wünscht sich aber mehr Freiheit und Verständnis von Seiten ihrer Eltern für ihre eigenen Lebensvorstellungen und Wünsche. Ihr zur Seite stehen ihre beiden besten Freunde Johanna und Jonas. Aber Jonas ist auch schon ewig in Ronia verliebt, die seine Gefühle leider nicht erwidert. Stattdessen wurde sie gerade – mal wieder nach drei Monaten – von ihrem Freund verlassen und versteht die Welt nicht mehr. Warum funktioniert das mit ihr und den Jungs nicht?
Dann trifft Ronia auf Jan und alles verändert sich. Denn zwischen Jan und ihr funkt es sofort. Beinah so, als würden sie sich schon kennen …


Schreibstil und Storyverlauf

Am liebsten würde ich mich vor dieser Rezension drücken. Kennt ihr das Gefühl auch, dass ihr ein Buch so gerne lieben würdet, aber es einfach nicht sein soll?
Es fällt mir unheimlich schwer Worte zu finden und meine Gefühle in Worte zu fassen, die nachvollziehbar sind, aber ich muss es versuchen, weil ich das Buch sonst nicht loslassen kann. Es hat mich sehr aufgewühlt und beschäftigt und beim Lesen leider viel zu viele Nerven gekostet. Ich war geschockt, als ich in mir den Drang verspürte, das Buch zur Seite zu legen und gar nicht erst zu beenden.
Ich liebe Bettina Belitz Bücher normalerweise und habe mich so sehr auf dieses Buch gefreut. Habe darauf gewartet, es zu lesen, bis ihr neues Buch erschienen ist, damit ich danach gleich wieder ein Buch von ihr kaufen kann und im Schrank stehen habe.
Obwohl es der Autorin auch diesmal gelungen ist, mich in die Geschichte zu ziehen, mit ihrem wunderbaren, einzigartigen Schreibstil, so konnte mich Vor uns die Nacht dennoch nicht so berühren oder erfreuen, wie die Vorgängerbücher.
Woran es lag? Ich wüsste es so gerne …
Ich hätte dich doch lieben wollen, du hübsches Buch. Aber es ging einfach nicht.
Ronia war eine Protagonistin, die mich in den Wahnsinn getrieben hat. Wortwörtlich. Ich habe noch keine Protagonistin getroffen, die ich so anstrengend, so egoistisch, so furchtbar fand, wie Ronia. Ich weiß, dass viele so über Elli denken (Splitterherz) und mit ihr nicht klar kamen. Aber mir ging es so mit Ronia. Wie sie mit ihren Freunden umgeht, mit Johanna, mit Jonas. Wie sie mit Jan umgeht. Ihre Gedanken, die sich nur und ständig um sich drehen und dazu ihre Naivität. Es war wirklich schrecklich für mich, zu ertragen und das hat viel kaputt gemacht.
Hinzu kamen jedoch auch inhaltlich viele Ungereimtheiten, die mir aufgefallen sind. Rucksäcke, die hinterm Busch drapiert und dann nie wieder abgeholt werden. Mal ganz davon abgesehen, dass ich es ohnehin unrealistisch fand, dass ein Mädchen sich komplett in der Öffentlichkeit – hinterm Busch oder nicht – nackig aufzieht, um sich umzuziehen, wenn es ein paar Wochen vorher eine Beinah-Vergewaltigung erlebt hat.
Von dieser Sorte gab es ein paar Kleinigkeiten, die mir aufgefallen sind und ebenfalls zu Unverständnis geführt haben.



Die Charaktere und ihre Entwicklung

Zu den Charakteren habe ich oben jetzt schon ganz viel geschrieben. Diesmal ist meine Rezi vollkommen ohne jede Struktur befürchte ich. Verzeiht es mir, man merkt wie mich das Buch mitgenommen hat und wie schwer es mir fehlt, meine Gedanken zu ordnen, zu fassen und zu Papier zu bringen.
Ronia ist für mich wirklich schwierig, egoistisch, selbstbezogen, verloren, geblendet und sicher irgendwie ein Mensch, der sich laufend in Dinge stürzt, kopfüber und einfach wegrennt. Ich habe normalerweise immer ein herz für die verlorenen und fehlgeleiteten Figuren in Büchern, aber mit Ronia kam ich nicht klar. Ihre Ich-Bezogenheit, ihre Naivität, ihre verletzende Art anderen gegenüber, ihre Oberflächlichkeit und auch ihre Obsession gingen mir tatsächlich nah, aber auch gewaltig auf den Nerv. Das hat sowohl die Geschichte an sich, als auch die Liebesgeschichte kaputt gemacht.

Jan und seine Geschichte waren der Grund für mich, weiter zu lesen. Denn auch wenn die Liebesgeschichte mich nicht überzeugte, sie war mir viel zu viel auf Oberflächlichkeiten und körperliche Anziehung gegründet – so wollte ich mehr über ihn wissen, ihn besser kennenlernen, denn Jan war mir von Anfang an sympathisch und ich habe ihn sehr, sehr gerne.




Fazit

Ich will nicht behaupten, dass das Buch mir ganz und gar nicht gefallen hat, aber ich war sehr enttäuscht, weil es nicht das war, was ich erwartet habe. Die Liebesgeschichte, die Gefühle, die Emotionen, die Figuren … all das waren Dinge, die ich bei Bettina Belitz Büchern immer heiß und innig geliebt habe. Diesmal hatte ich den Eindruck etwas Neues und völlig Anderes zu bekommen, nur leider hat mir das überhaupt nicht gefallen. Das Ende war zwar schön und Ronia macht auch eine Entwicklung durch, das fand ich toll, aber es ging mir viel zu schnell am Ende dafür, dass sie vorher so gar keine Fortschritte machte und 2/3 des Buches einfach nur unausstehlich war. Zusammengenommen mit den vielen Ungereimtheiten der Geschichte, die für mich nicht zusammenpassten, kann ich das Buch leider nicht empfehlen, sondern würde jedem Nicht-Kenner lieber eines ihrer anderen Bücher ans Herz legen.

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